13. Januar 2026 von Daniel Kuhagen

Mobilität in München: kein „entweder-oder“, sondern ein Zusammenspiel

Mobilität in München wird oft so diskutiert, als müsste man sich für eine Seite entscheiden: Auto oder Fahrrad. ÖPNV oder Individualverkehr.

Meine Erfahrung im Alltag ist eine andere. Ich nutze selbst fast alle Verkehrsmittel, je nachdem, was gerade sinnvoll ist.

  • Mit drei Kindern fährt man vieles mit dem Lastenrad vor Ort.
  • Zu Fuß mit Kinderwagen versteht man die Bedeutung von „Barriere-frei“.
  • Für den Weg durch die Stadt ist oft die S-Bahn oder Tram die schnellste Lösung.
  • Und wenn wir übers Wochenende rausfahren oder größere Strecken zurücklegen, nutzen wir auch unser Familienauto.

Gerade wenn man in Pasing in Bahnhofsnähe lebt, merkt man schnell: Mobilität funktioniert nicht über ein einzelnes Verkehrsmittel. Sie funktioniert über das Zusammenspiel vieler Möglichkeiten.

Genau deshalb halte ich wenig von Verkehrspolitik, die einzelne Verkehrsmittel gegeneinander ausspielt. Eine wachsende Stadt wie München braucht ein offenes Mobilitätskonzept, das verschiedene Wege kombiniert und sinnvoll miteinander verbindet.

Ein funktionierender ÖPNV ist das Rückgrat der Stadt

Der wichtigste Baustein moderner Mobilität bleibt ein zuverlässiger öffentlicher Nahverkehr. Viele Menschen im Münchner Westen sind täglich darauf angewiesen – ob auf dem Weg zur Arbeit, zur Schule oder zur Universität.

Dazu gehören auch konkrete Projekte im Westen der Stadt. Ein Beispiel ist der U3-Ringschluss, der langfristig neue Verbindungen im Münchner U-Bahn-Netz schaffen könnte. Ebenso wichtig ist die geplante Verlängerung der Tramlinie 17 Richtung Blutenburg, die zusätzliche Kapazitäten im Westen schaffen würde. Solche Projekte sind keine Prestigevorhaben. Sie sorgen dafür, dass mehr Menschen schnell und zuverlässig durch die Stadt kommen, ohne auf das Auto angewiesen zu sein.

Auch im Busverkehr lässt sich viel verbessern. Gerade im Münchner Westen spielen die Linien 57 oder 160 eine wichtige Rolle, um Wohngebiete mit S-Bahn, U-Bahn und Tram zu verbinden. Wenn Busse häufiger fahren und zuverlässig sind, wird der ÖPNV automatisch attraktiver.

Radfahren gehört selbstverständlich dazu

München ist in den letzten Jahren zu einer echten Fahrradstadt geworden. Viele Wege im Alltag lassen sich mit dem Rad schnell und unkompliziert zurücklegen. Ich sehe das ganz praktisch: Mit Kindern, Einkäufen oder kurzen Wegen im Viertel ist das Fahrrad oft das einfachste Verkehrsmittel.

Gleichzeitig sollte auch beim Radverkehr gelten: Infrastruktur muss sinnvoll geplant und gut integriert sein. Radwege funktionieren dann besonders gut, wenn sie Teil eines durchdachten Gesamtnetzes sind – und nicht isoliert entstehen, während gleichzeitig Busse im Stau stehen oder wichtige Verkehrsachsen blockiert werden.

Das Auto bleibt Kernbestandteil der Mobilität

Trotz aller Fortschritte im ÖPNV und beim Radverkehr bleibt das Auto für viele Menschen ein wichtiger Bestandteil ihres Alltags. Für Familien, Handwerker oder Menschen mit längeren Pendelstrecken ist es oft schlicht notwendig. Die Aufgabe der Verkehrspolitik besteht deshalb nicht darin, das Auto aus der Stadt zu verdrängen, sondern Verkehr intelligenter zu organisieren.

Ein Vorschlag aus dem FDP-Programm ist die Anti-Stau-Gebühr, die Verkehrsströme besser steuern soll. Die Idee dahinter ist einfach: Wer zu besonders stark belasteten Zeiten fährt, zahlt etwas mehr. Gleichzeitig entstehen Einnahmen, die wieder in Infrastruktur und Mobilität investiert werden können. Solche Instrumente können helfen, Staus zu reduzieren und den Verkehr insgesamt flüssiger zu machen.

Baustellen besser planen

Ein Punkt, der im Alltag vieler Münchnerinnen und Münchner immer wieder für Frust sorgt, sind Baustellen. Diese sind notwendig, schließlich müssen Straßen, Leitungen und Infrastruktur regelmäßig erneuert werden. Das Problem ist häufig nicht die Baustelle selbst, sondern die mangelnde Abstimmung.

Zu oft werden mehrere Maßnahmen gleichzeitig umgesetzt, ohne dass die Auswirkungen auf Verkehr, Buslinien oder Radwege ausreichend berücksichtigt werden. Hier braucht es eine deutlich bessere Koordination.

Baustellen sollten so geplant werden, dass sie möglichst kurz dauern, gut kommuniziert werden und den Verkehr nicht unnötig blockieren. Moderne Verkehrssteuerung und digitale Planung können dabei helfen, Baustellen und Verkehrsströme besser aufeinander abzustimmen.

Mobilität als Zusammenspiel

Am Ende geht es bei Mobilität nicht um das „richtige“ Verkehrsmittel, sondern darum, dass Menschen einfach von A nach B kommen. Manchmal mit der S-Bahn, manchmal mit dem Fahrrad, manchmal mit dem Auto, und oft auch zu Fuß.

Eine gute Verkehrspolitik schafft deshalb nicht möglichst viele Verbote, sondern möglichst viele funktionierende Optionen.

Für mich bedeutet moderne Mobilität:

  • einen verlässlichen ÖPNV,
  • gute Radverbindungen im Alltag,
  • eine kluge Steuerung des Autoverkehrs,
  • und eine bessere Planung von Baustellen und Infrastruktur.

Wenn diese Dinge zusammenspielen, entsteht eine Stadt, in der Mobilität nicht zum täglichen Ärgernis wird – sondern einfach funktioniert.

Und genau das sollte das Ziel einer pragmatischen Verkehrspolitik für München sein.


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